Presse

Verborgene Genies: Sergei Babayan in München. - Sergei Babayan wird zwar immer wieder als einer der größten Pianisten unserer Zeit bezeichnet, ist allerdings bis auf eingefleischte Klavierliebhaber der breiten Masse von Konzertbesuchern unbekannt geblieben. An seinen pianistischen Fähigkeiten liegt das bestimmt nicht, wie er im Münchner Prinzregententheater [...] eindrucksvoll unter Beweis stellte. [...] Die interpretatorische Wandlungsfähigkeit Babayans bedient sich viel subtilerer Mittel, die in seiner ungeheuer flexiblen Fingertechnik und der Arrau’schen Elastizität seiner Arme, Handgelenke und Hände begründet liegt. Babayan speist seinen musikalischen Ausdruck und seine Kraft fast ausschließlich aus diesen Körperteilen, der Oberkörper wird nur selten eingesetzt. Die Hände schmiegen sich an die Tasten, streicheln sie, pflügen sich in die Klaviatur und tanzen höchst elegant darüber hinweg. Wenn sich ab und zu spielend der Mittelfinger nach hinten überdehnt und aus der Schar der Tänzerinnen herausspringt wie man es sonst nur bei Glenn Gould gesehen hat, dann weiß man, wie viel harte Knochenarbeit der russischen Schule dieser in der Neuhaus-Tradition ausgebildete Ausnahmekünstler geleistet haben muss. [...] Die Fachzeitschrift Diapason schrieb einmal über Sergei Babayan: „Er legt alle gängigen Erwartungen in Trümmer. Klavier, überlebensgroß“. Besser kann man es nicht ausdrücken [...] Die schillernden Kontraste aus elegischen Klangmalereien und etüdenhaft-technisierten Themen und Melodien brachte Babayan derart virtuos in einen zwingenden Sinnzusammenhang, dass man wechselweise in seinen Sitz gefesselt und aus diesem staunend aufgeschreckt wurde ob des pianistischen Feuerwerks, das sich auf der Bühne entfaltete. Besser kann man nicht Klavier spielen.

Bachtrack, 19 März 2019

Sergei Babayan ist einer der wenigen Auserwählten: diejenigen Künstler, die in der Lage sind, uns in ihr Universum zu transportieren, uns in eine andere Welt zu tragen. Wenn es um Magie am Klavier geht, dachten wir bisher in dieser Kategorie an Lupu, Schiff, Volodos und Sokolov. Wir müssen es auch hier bestätigen. Ich persönlich sehe eine historische Linie zu Walter Gieseking und Ivan Moravec. Und wenn es um das Konzerterlebnis selbst geht, hatte nur Arturo Benedetti Michelangeli die Fähigkeit, mir dieses Gefühl von Irrealität zu vermitteln, das ich an diesem Mittwochabend oft empfand.

Le Devoir, 6 Dezember 2018

Unaufhaltsame Vulkanische Kraft: Sergei Babayan.
Ich verpasste das Verbier-Konzert von Sergei Babayan um einen Tag, aber ich traf ihn zwei Wochen später in der Wigmore Hall, und mir fehlen die Superlative, um dem, was ich gehört habe, gerecht zu werden. [...] In Babayans Performance strömten die Ideen im Überfluss und mit unaufhaltsamer vulkanischer Kraft. [...] Was das Ganze bemerkenswert machte, war die Art und Weise, wie Babayan die Tasten ganz ruhig zu massieren schien, selbst wenn er Fortissimo spielte. Aus Rameaus „Le rappel des oiseaux“ entlockt er die raffinierteste Süße, [...] fängt die flüchtigste Poesie auf dem Flügel ein. [...] Zwei von Mozarts meistgespielten Sonaten hielten mich mit jedem Takt an der Sitzkante. Das lag nicht an aufmerkamkeitsheischender "Originalität" in seiner Herangehensweise; es war schlicht die weißglühende Intensität, mit der sie hier angelegt waren. Seine Interpretationen wurden abwechselnd lyrisch, opernhaft und orchestral und faden beim Publikum begeisterte Aufnahme; Wie auch seine Zugabe, eine vertraute Scarlatti-Sonate mit einer höchst ungewohnten Sanftmütigkeit, woraufhin er sich mit einem Lächeln verabschiedete. In der Pause traf ich auf Ryabov und erzählte ihm, wie faszinierend ich seine Komposition fand. "Ja nun", antwortete er, "aber heute Abend wurde sie von einem Genie gespielt." Dem kann ich nur zustimmen.

International Piano Magazine, 5 November 2018

Magier des Klavierklangs: Sergei Babayan begeistert mit Rachmaninows drittem Klavierkonzert. - Für ein musikalisches Ereignis hat Sergei Babayan mit Rachmaninows drittem Klavierkonzert beim Sinfoniekonzert der Mannheimer Philharmoniker gesorgt. Bei der sensationellen Aufführung sind ihm die jungen Philharmoniker unter Boian Videnoffs Leitung exzellente Partner gewesen. Das dritte von Rachmaninows vier Klavierkonzerten […] flößt den meisten Pianisten heiligen Schauer ein. Zu ihnen gehört offenbar nicht der mittlerweile an den renommiertesten Konzertstätten weltweit gefeierte armenisch-amerikanische Künstler Babayan, unter anderem Klavierduo-Partner von Martha Argerich. Denn ihm schienen jetzt im Musensaal die exorbitanten Forderungen von Rachmaninows Konzert keinerlei Schwierigkeit zu bereiten. Babayan schüttelte sämtliche pianistischen Hexenmeistereien gleichsam aus dem Ärmel, servierte die halsbrecherischen Läufe und majestätisch donnernden Akkordkaskaden mit verblüffender Selbstverständlichkeit. Seine Artikulation blieb auch bei schwindelerregenden Geschwindigkeiten dank einem unerhört bravourösen Fingerspiel und einem Handgelenkstaccato von stählerner Härte und frappanter Elastizität exemplarisch klar. Es ging aber nicht lediglich (und auch nicht vorrangig) um Technik und instrumentale Drahtseilakte. Vielmehr präsentierte Babayan eine musikalisch durchdachte, hochsensible Wiedergabe von Rachmaninows Konzert, legte das spätromantische Empfinden der Komposition, ihre melancholische lyrische Inspiration höchst sensibel mit verfeinertem Detailgespür frei. Zudem verstand er es großartig, das Klavier zum Klingen und, was beim Tasteninstrument noch beeindruckender erschien, auch zum Singen zu bringen. Dies sofort beim ersten Einsatz: beim volksliedhaften Hauptthema des Kopfsatzes, das diesmal ganz still, versunken, schlicht und anrührend daherkam. Dass es sich bei Babayan um einen Zauberer des Klavierklangs handelt, offenbarte dieser Anfang unmissverständlich.

Die Rheinpfalz, 18 März 2018

Unbändige Wucht und romantische Schauer - Pianist Sergei Babayan mit den Mannheimer Philharmonikern im Rosengarten - Leidenschaft sprengte alle Grenzen. - Selten wird man in solch leidenschaftliches Schwärmen versetzt wie in Rachmaninoffs 3. Klavierkonzert. Und selten durchläuft man eine so lange Entwicklung bis zum enthusiastischen Höhepunkt im Finale. Natürlich nur, wenn solch eine Pianisten-Legende wie Sergei Babayan am Flügel sitzt, der gleich die tragende Eröffnungsmelodie so gedankenverloren und nachsinnend gestaltete, dass für weitere Wege alles offen stand. Genau wie es Rachmaninoff fordert, brachte Babayan neben atemberaubender Virtuosität und Einfühlungsgabe größte pianistische Kraft mit, sodass gewaltige Emotionen mit unbändiger Wucht aus dem Flügel donnerten.

Rhein-Neckar-Zeitung, 15 März 2018

Es gibt musikalische Begegnungen, die Rezensenten für viel erlittenes Mittelmaß entschädigen. So geschehen beim Konzert der Mannheimer Philharmoniker im fast ausverkauften Musensaal, als Sergei Babayan, amerikanischer Pianist armenischer Herkunft, Sergei Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30 interpretierte. Babayan, der in Cleveland und an der Juilliard School ganze Pianistengenerationen wie den derzeitigen Shooting-Star Trifonov geprägt hat, gedenkt wieder häufiger in Europa zu konzertieren. Gut so! Was der kleine, gedrungene, sehr bescheiden auftretende 57-Jährige an diesem Abend bot, war schlicht sensationell. Vom ersten weichen Hineingleiten in die wogenden Klangfluten des Kopfsatzes (natürlich mit der großen Kadenz) über die unsentimentale Noblesse des lyrischen Intermezzos bis in den opulenten Klangrausch des Finales – brillante, stets transparente Technik ohne Effekthascherei. Zum Weinen schön Babayans Zugabe: Bachs Aria aus den „Goldbergvariationen“.

Mannheimer Morgen, 14 März 2018

Trifonov/Babayan: Mentor und Schüler bilden fantastisches Duo. - Die Paarung erwies sich als überragend. Lyrische Phrasen in Unisono-Oktaven wirkten so ausgeglichen, dass man nicht glauben wollte, sie kämen von zwei verschiedenen Instrumenten, sondern von einem einzigen, indes mit viel reicherer Stimme gesegneten Instrument. ... Wir wurden Zeugen vollständiger Übereinstimmung über zwei Generationen hinweg, als zwei Musiker eine außergewöhnliche, einzige Stimme miteinander formten.

San Francisco Classical Voice, 6 März 2018

Liszts Ballade Nr. 2 schleuderte uns erbarmungslos in die wütende See chromatischer Figuren der linken Hand. Der Flügel rauschte und brüllte und donnerte und heulte, bis zum äußersten Klanghöhepunkt. Der edle Schmerz bei Chopin geriet zu einer mitreißenden Klavierdemonstration. Welche Großzügigkeit, welch totales Engagement (wie es auch für Trifonovs Spiel charakteristisch ist), wo andere ihre Kräfte einteilen und stets auf die Erwartungen des guten Geschmacks bedacht sind. Sergei Babayan legt alle gängigen Erwartungen in Trümmer. Klavier, überlebensgroß.

DIAPASON, 30 November 2017

DER SCHOCK DER STILLE. – Babayans Bearbeitung der Ballettsuiten-Musik für zwei Klaviere unterstreicht die blutige Gewalt, die in der Shakespeare-Vorlage herrscht. Die Härte der Dissonanzen, die prägend ist für die Prokofiew'sche Harmonik, aber im sinfonischen Original durch die instrumentale Auffächerung gedämpft wird, ist – nunmehr zusammengeschmolzen im Klavierakkord – unbarmherzig freigelegt. Bruitistisch, tumultuös, perkussiv geht es zur Sache. Die Stille zwischen den Nummern: geradezu ein Schock. Ruhige Stücke wie das zierliche, verträumt-versunkene "Morgenständchen" oder die delikat und witzig gespielte Gavotte wirken noch zarter und leichter. ... Bevor am Ende noch einmal Prokofiew'sche Dauerpower das Publikum vor Begeisterung aus den Sitzen reißt, spielen die beiden Mozarts Duo-Sonate D-Dur KV 448. Und das mit einer innigen Hingabe, die berüht. Wie zwei Freunde, versunken im intimen Gespräch. Die Zeit scheint stillzustehen. Perlendes Laufwerk, Triller, Melodien fügen sich weich ineinander, kaum ist noch unterscheidbar, wer da was spielt. Solche Wunder musikalischer Zweisamkeit und viortuoser Synchronität offenbaren sich auch in der Zugabe: der "Barcarolle" aus Rachmaninows Suite Nr. 1 op. 15. Die arabesk umspielte wiegende Melodik, die plätschernde Schwelgeharmonik, das quecksilbrige Laufwerk: alles leicht und fluffig wie Zuckerwatte, fließend und feinsprudelnd wie Champagner.

Stuttgarter Zeitung, 8 November 2017

Die größten Wunder des Konzertabends werden mit Mozarts Sonate für zwei Klaviere D-Dur KV 448 enthüllt. Dieses Stück wurde vorgetragen mit einer solchen Tiefe menschlicher Erfahrung, wie sie in kaum einer Darbietung je zu hören ist, das Zusammenspiel vollzog sich in vollkommener Transparenz, entfaltete sich in schierer, originärer Freude. In den einzelnen musikalischen Phrasen, in weniger genialen Händen oft gleichförmig und belanglos, gelang hier eine innige Sprache, die die Freuden und Nöte eines ganzen Menschenlebens mit sich trug. Die Tempi der Ecksätze waren atemberaubend. Die Künstler waren so sehr auf einer Wellenlänge vereint, dass der Gedanke sich aufdrängte, ob Seelenverwandtschaften dieser Tiefe von höheren Mächten des Universums bestimmt werden.

Zsolt Bognár, Slipped Disc, 1 November 2017

Martha Argerich und Sergei Babayan schenken Cleveland Konzert für die Ewigkeit. - Als hätten wir nicht schon genug Gründe, dem Pianisten Sergei Babayan zu Dank verpflichtet zu sein. Zu all seinem anderen Wirken haben wir nun dem Artist-in-residence des Cleveland Institute of Music zu danken auch dafür, Martha Argerich nach Cleveland gebracht zu haben. Dafür, ein Konzert für die Ewigkeit organisiert und gespielt zu haben, das niemand, der dabei war, vergessen wird. ... Nie hat "Romeo und Julia" so mitreißend geklungen wie an diesem Montag. Babayans Transkriptionen und deren Vortrag durch ihn selbst mit Argerich vermittelten die ganze rohe Intensität und das virtuos Lyrische des Originals. Immer wieder gelang es den beiden Pianisten, das Klangbild eines ganzen Orchesters mit wilden, stampfenden Akkorden und reichen Texturen heraufzubeschwören – um dann kehrtzumachen und einen charmanten Tanz, eine strahlende, überwältigend schöne Melodie auszuspinnen.

cleveland.com, 31 Oktober 2017

Geradezu umwerfend das Rondo op. 73 für zwei Klaviere: Trifonov spielt es zusammen mit seinem einstigen Lehrer, dem Armenier Sergei Babayan, so delikat, witzig und uneitel, dass man in der harmlosen, aber unverschämt virtuosen Salonbelustigung mehr Musik spürt als in manch hochfliegendem Meisterwerk.

DIE ZEIT, 4 Oktober 2017

Kongenialer Partner im vierhändigen Spiel an zwei Flügeln war der gefeierte US-amerikanisch-armenische Pianist Sergei Babayan. Wie aus einem Guss zelebrieren Argerich und Babayan butterzart die hohe Kunst, auf dem Klavier zu singen. Klangfarben, wie man sie bis dato noch nicht gehört hat.

Die Rheinpfalz, 2 Oktober 2017

Der amerikanisch-armenische Pianist Sergei Babayan hat ein Dutzend Orchesterstücke aus Prokofjews Ballettsuite «Romeo und Julia» für zwei Klaviere transkribiert. Entstanden ist ein fluoreszierendes Drama voller radikaler Leuchtkraft, das der Gestaltungsfreiheit der beiden Pianisten viel Raum zur Entfaltung gibt. Technisch auf Augenhöhe und mit viel Sinn für Effekt inszenieren Argerich und Babayan die zwölf Sätze. Man spürt die Lust, sich im Dialog zu inspirieren. Sie spielen sich die schnellen Tempi zu, verschmelzen in plastischen Rubati. Das muss man können – allein zu zweit: einen donnernden Steinway mit zwanzig Fingern zum Flüstern bringen, dass er Klänge säuselt, die sich anhören als spiegle sich ein Lichtstrahl in lauter Tautropfen. Der Funke zündet. Die Klangpracht reisst das Publikum von den Stühlen.

Der Bund, 30 September 2017

Wir wurden Zeugen eines raren Moments der Gnade und Anmut. Als die ersten Töne aus dem Klavier aufstiegen, wusste der Zuhörer sofort, spürte in seinem Innersten, dass etwas Außergewöhnliches im Begriff war Gestalt anzunehmen. Welch ein Anschlag, welch grenzenlose Sensibilität, welch bewunderungswürdige Artikulation, welch Atem, der vom Klavier hier ausging! Mozart auf solche Weise, dass wir, endlich einmal wieder, über uns hinaus erhoben wurden. Es lohnt sich darauf hinzuweisen, dass Sergei Babayan niemand anderer als der Lehrer Daniil Trifonovs ist. Der Brauch will es, dass der Schüler den Lehrer übertrifft; hier aber scheint nichts weniger sicher als dies.

Res Musica, 26 Juli 2017

SERGEI BABAYAN: EIN GENIE! Der Vorteil der schreibenden Zunft ist es, sprachlos sein zu können und doch all das Gute sagen zu dürfen, das man von einem Künstler denkt. Sergei Babayan, von dem zu wenig bekannt ist, ist ein Genie. Punkt. Diese offenkundige Tatsache kam am Freitagabend ans Licht der Öffentlichkeit: Sergei Babayan ist eine Art Grigory Sokolov für Eingeweihte. Wie der aktuelle Kultpianist Sokolov besitzt Babayan die Gabe, ein Konzert in einen Gottesdienst zu verwandeln. Der Zuhörer versteht schnell, mit wem er es hier zu tun hat. Mit einem ganz schlichten Stück von Arvo Pärt scheint Babayan die Verbreitung des Klangs im Saal zu prüfen und lässt die Stelle schwingen. Das Verlöschen des Schlusstons ist pure Magie, als gehe es darum, den Zuhörer vor die Rätselfrage zu stellen: Wann endet der Klang?

Le Devoir, 19 November 2016

Sergei Babayan setzte seine vollkommene Technik und vollständiges musikalisches Verständnis zugunsten des kryptischen 5. Klavierkonzerts ein, ein weiteres Werk, in dem Prokofievs neoklassizistischer Ansatz mit den Mitteln der Fragmentierung und fremdartigen Harmonien modern, ja rätselhaft gewendet wird. Das unerschütterliche Publikum dankte es mit Ovationen.

The New York Times, 25 Februar 2016